Dienstag, 31. August 2010

Seit die Kunst nicht mehr die Nahrung der Besten ist, kann der Künstler seine Talente für alle Wandlungen und Launen seiner Phantasie verwenden. Alle Wege stehen einem intellektuellen Scharlatanismus offen. Das Volk findet in der Kunst weder Trost noch Erhebung. Aber die Raffinierten, die Reichen, die Nichtstuer und die Effekthascher suchen in ihr Neuheit, Seltsamkeit, Originalität, Verstiegenheit und Anstößigkeit. Seit dem Kubismus, ja schon früher, habe ich selbst alle diese Kritiker mit zahllosen Scherzen zufriedengestellt, die mir einfielen und die sie um so mehr bewunderten, je weniger sie ihnen verständlich waren. Durch diese Spielereien, diese Rätsel und Arabesken habe ich mich schnell berühmt gemacht. Und der Ruhm bedeutet für den Künstler: Verkauf, Vermögen, Reichtum. Ich bin heute nicht nur berühmt, sondern auch reich. Wenn ich aber allein mit mir bin, kann ich mich nicht als Künstler betrachten im großen Sinne des Wortes. Große Maler waren Giotto, Tizian, Rembrandt und Goya. Ich bin nur ein Spaßmacher, der seine Zeit verstanden hat und alles, was er konnte, herausgeholt hat aus der Dummheit, der Lüsternheit und Eitelkeit seiner Zeitgenossen.

Picasso

Dienstag, 10. November 2009

"Das was man sieht, kommt von dem, was man nicht sieht."

Paulus von Tarsus

Dienstag, 3. November 2009

Dienstag, 27. Oktober 2009

I am only stimulated by people, never by ideas, almost never.
It is always an emotional response.
It is always between myself and myself and another person
– this is what it boils down to.
I am not interested in the technique of photography or of camera.
I am not interested in light. What I want is light in which the subject
is free to move in any way without falling into an ugly light.
So that I can get to them, to the expression they make, so that
they are free to do or express something which is the way I feel.
The camera is most in the way.
If I could do what I want with my eyes alone, I would be happy.
Then when I get it on paper, on the negative, if there was something
in the eyes when I took the picture, then when I look at the print,
there are things that I can do to emphasize that.
But when I’m used to an approach,it becomes like a person
that I have no response to.
The approach to the print is like the approach to the sitter.
Certain qualities in the print say what I mean.
I hate photographs, most photographs. I cannot take a picture
of something I have not known and experienced myself,
because I do not know what is going on.
The photograph is not reportage.
I do not believe that something reports itself in a photograph.
It is redrawn; it is something I am saying.

Montag, 26. Oktober 2009

Jean Baudrillard - Die Gewalt am Bild

Der Traum wäre es, ein Fotograf ohne Objektiv zu sein,
durch die Welt zu laufen ohne Apparat,
kurz, das Fotografieren hinter sich zu lassen
und die Dinge zu sehen, als hätten sie selbst
das Bild hinter sich gelassen,

als hätte man sie bereits fotografiert,
aber in einem vorherigen Leben.

Mehr unter:
www.baudrillard-die-gewalt-am-bild.html

The Photography of Robert Mapplethorpe

Boris Mikhailov

Interview

Robert Mapplethorpe – Celebrity Portraits

Joel Peter Witkin

Samstag, 24. Oktober 2009

Nan Goldin Interview Part 2

Nan Goldin Interview Part 1

It seems to me that before the photograph can exist as art,
it must, by its very nature,choose whether it is to be a record
or a testimony.
Whatever special lens are used, and however the subject
is thereby distorted,the camera only knows how to
relate things directly.
However abstract the composition, therefore,
the individual meaning of the objects related inevitably
remains as a kind of indispersible precipitate.
The photographer’s whole job is to filter this off
by one of two methods.
The alternatives are the record and the testimony.

ALBERT WATSON Interview

RICHARD AVEDON about fashion

James Nachtwey WAR PHOTOGRAPHER

Wir sind alle Agnosiker oder Transis der Kunst oder des Sex. Wir haben keinerlei ästhetische oder sexuelle Überzeugung mehr, aber wir üben sie alle aus.

Jean Baudrillard

Über die Schönheit

Unsere Kultur ist eine Kultur der Bilder geworden, und alles kann zum Bild werden. Seit jenem explosiven Moment der Moderne zu Anfang dieses Jahrhunderts haben wir mit Nachdruck darauf hingearbeitet, die überkommenden Formen der Kunst und der Gesellschaft zu durchbrechen. Der Bruch mit der Tradition begann verheißungsvoll: Expressionismus, Kubismus, Dada, die Surrealisten – überall öffneten sich scheinbar neue Wege. Doch was zunächst wie die Erkennungsmelodie einer neuen Epoche anmutete und die Realisierung aller Utopien versprach, entpuppte sich nun als deren Auflösung durch die Erfüllung jeder denkbaren (und auch der undenkbaren) Idee. Wir pulverisieren alle Unterschiede. Alles wird auf den größten gemeinsamen Nenner gebracht, verliert jede Besonderheit und jeden Unterschied. Alles ist Kunst. Alles ist von Bedeutung. Alles ist schön. Wenn aber alles schön ist, dann stellt sich die Frage der Schönheit nicht mehr. Wenn alles Kunst ist, dann ist nichts mehr Kunst, und das Wort verliert seinen Sinn. Warhols Campell-Dose steht symbolisch für diese Entwicklung: Die ganze Bedeutungslosigkeit der Welt wird ästhetisch verklärt. Kann es etwas unwichtigeres als eine Suppendose geben? "Die Kunst hat sich nicht in einer transzendenten Idealität, sondern in einer allgemeinen Ästhetisierung des Alltagslebens abgeschafft, sie ist zugunsten einer reinen Zirkulation der Bilder in einer Transästhetik der Banalität verschwunden" (Jean Baudrillard).

Nichts widerspricht sich mehr, die Bilder tauchen auf und verschwinden wieder, ohne Bezugspunkt zueinander, in vollkommener Indifferenz gegenüber dem eigenen Gehalt. Das Stadium der Befreiung der Bilder ist auch das ihrer Indetermination. Kein Mangel, kein Verbot, keine Grenze: das Bedeutet den Verlust jedes referentiellen Prinzips. An diesem Punkt, an dem sich jede Idee erfüllt und jedes Bild virtuell möglich ist, sind wir zur Gleichgültigkeit verdammt. Sowohl in der Werbung, als auch in der Kunst liefern wir uns nichts weiter als ein opportunistisches Spiel mit der Welt und zugleich mit allen vergangenen Formen der Kunstgeschichte. Zwar erheben die Bilder den Anspruch darauf, sublim zu sein, indem sie sich auf eine zweite, ironische Ebene begeben, aber auf dieser zweiten Ebene sind sie genauso unbedeutend wie auf der ersten. Mittelmäßigkeit in zweiter Potenz. Wir flüchten vor der Sinnlosigkeit (der großen Herausvorderung dieses Jahrhunderts), indem wir einfach allem einen Sinn zusprechen. Wir verfolgen nur eine kommerzielle Strategie der Nichtigkeit, "die sentimentale Form der Ware", wie Baudelaire sagte.
Die Dinge räumlich und menschlich näher zu bringen ist ein genau so leidenschaftliches Anliegen der Massen, wie es ihre Tendenz einer Überwindung des Einmaligen jeder Gegebenheit durch die Aufnahme von deren Reproduktion ist. Tagtäglich macht sich unabweisbar das Bedürfnis geltend, des Gegenstandes aus nächster Nähe im Bild, vielmehr im Abbild, in der Reproduktion habhaft zu werden.

Walter Benjamin

Robert Frank : interview

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Fotografie ist eine Bildsprache, die einzige Sprache, die überall in der Welt verstanden werden kann. Das macht sie wertvoll und einzigartig. Doch so wie das gesprochene oder geschriebene Wort intelligent eingesetzt werden kann, um Wissen zu vermitteln, Ideen auszutauschen und den Geist zu stimulieren oder aber dafür, als Geplapper verschwendet zu werden, so kann Fotografie dem Betrachter etwas Wertvolles geben oder seine Zeit mit visuellem Blabla vergeuden. Die wichtigste Eigenschaft der Fotografie ist also ihr Inhalt.

Eine andere herausragende Tatsache ist, dass im Gegensatz zur bedruckten Seite eine Fotografie auf einen Blick »gelesen« werden kann – und die Leute scheinen immer unruhiger zu werden, ungeduldig darauf zu warten, dass es weiter geht. Die Sprache der Wörter – das Lesen – ist langsam und verliert allgemein an Bedeutung zugunsten der Sprache der Bilder in Fernsehen, Werbung und Fotografie. Umso mehr muss man darauf achten, dass eine Fotografie »gut« ist, das heißt wirkungs- voll.

Leider beurteilen die meisten Menschen die Wirkung einer Fotografie nach deren technischer Ausführung. Wenn sie scharf ist und die Farben natürlich sind, hält man sie für gut. Sonst nicht. Meiner Meinung nach ist das so, wie wenn man die Arbeit eines Autors nach der Richtigkeit der Grammatik und der Rechtschreibung beurteilt, denn selbst eine technisch perfekte Fotografie kann ein langweiliges und bedeu- tungsloses Bild sein. Ich persönlich halte die Kamera für das Äquivalent zur Schreib- maschine eines Romanautors oder Journalisten – sie ist ein für unseren Beruf unver- zichtbares Instrument, vom dem man kein Aufhebens machen sollte.


Andreas Feininger